Wissenswertes

Franz Hübner bei der Beseitigung des Schnittguts
Franz Hübner bei der Beseitigung des Schnittguts

Was ist eine Streuobstwiese?

Der Begriff der „Streuobstwiese“ ist ein Kunstwort, das ab Mitte der 1970er Jahre eingebürgert wurde. Es dient zur Abgrenzung des hier gemeinten, traditionellen und extensiven Obstanbaus von dessen moderner Form: Im heutigen Intensivanbau werden in engen Reihen dicht gepflanzte, gleichaltrige sog. Niedrigstämme verwendet, die vom Boden aus geerntet werden können. Sie gehören alle derselben Sorte an, sind also genetisch identisch. Diese Monokulturen wurden auf hohe Erträge und die spezifischen Anforderungen des heutigen Marktes hochgezüchtet und kommen nicht ohne Agrochemie wie Kunstdünger und Pestizide aus. Im Gegensatz hierzu stehen auf einer Streuobstwiese robuste Hochstämme, die oft ungleich alt sind, in so weitem Abstand zu einander („gestreut“), dass der ausgewachsene Baum seine Krone voll entfalten kann. Oft wachsen verschiedene, meist von Apfelbäumen dominierte Obstarten vermischt auf derselben Wiese, wo innerhalb einer Art auch verschiedene Sorten vorkommen. Dabei handelt es sich um regionale Züchtungen, die so an Klima- und Bodenverhältnisse angepasst sind, dass sie für frühere Verhältnisse gute Erträge auch ohne Kunstdünger und Pestizide liefern. Solche Lokalsorten gibt es im Intensivanbau nicht, wo landesweit eine große genetische Einförmigkeit besteht. Die Flächen sind überwiegend Dauergrünland, das traditionell zur Beweidung oder Heugewinnung genutzt wird.

Norbert Schneider beim Obstbaumschnitt
Norbert Schneider beim Obstbaumschnitt

Warum sind Streuobstwiesen schützenswert?

Die „heimischen“ Obstsorten wurden ehemals von den Römern nach Mitteleuropa gebracht. Seither hat es Obstanbau in kleinerem Maße gegeben, bis die jeweiligen Landesherren im 18. Jahrhundert in großem Stil die Pflanzung weiter Streuobstgürtel um die Dörfer und Städte forcierten, um die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln in Krisenzeiten zu gewähren. Ihren Höhepunkt erreichte diese Anbauform in den 1920er und 1930er Jahren. Inzwischen waren über 6.000 Obstsorten entstanden, davon etwa die Hälfte Apfelsorten. Die Züchtungen stellten nicht nur einen Anpassung an örtliche Gegebenheiten dar, sondern dienten auch der jeweils beabsichtigten Verwendung (z. B. Tafelobst, Saft, Most, Brand, Backobst).

In den vergangenen 50 Jahren ist durch die Umstellung auf Intensivanbau und Flächenverluste durch Straßen- und Siedlungsbau die bundesweite Fläche der Streuobstwiesen mit 350.000 ha auf etwa ein Viertel geschrumpft, die mangels Pflege oft in schlechtem Zustand sind. Streuobstwiesen haben eine große landschaftsprägende und ökologische Bedeutung, zählen heute jedoch zu den am meisten gefährdeten Biotoptypen. Sie beheimaten neben den bereits erwähnten, ca. 6.000 Obstsorten, welche eine unschätzbare genetische Ressource darstellen, bis zu 5.000 Tierarten, bei denen es sich vor allem um Insekten, Spinnentiere und Tausendfüssler handelt. Besondere Aufmerksamkeit erlangen sie für die Imkerei und im Vogelschutz.

 

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